|
|
zur Verfügung gestellt von missio  |
* 29.08.1800 in Aachen † 11.03.1882 in Aachen |
Leben des Heinrich Hahn (Texte zusammengestellt von Judith Rosen)
|
|
zur Verfügung gestellt von missio  |
| Dr. Hahns Geburtshaus in Aachen, Pontstraße 2 |
Am 29. August 1800 wurde Heinrich Joseph Hubert Hahn in Aachen geboren. Sein Geburtshaus steht noch heute in der Pontstraße 2, wo er zusammen mit seiner älteren Schwester Katharina aufwuchs. Dort betrieb sein Vater Johann (1772-1859) zusammen mit seiner Frau Anna Katharina (1759-1813) ein Leinwarengeschäft. Die katholischen Eltern erzogen ihre beiden Kinder in christlichem Geist. Besonders die tiefe Frömmigkeit seines Vaters hat Heinrich Hahn geprägt. Familienaufzeichnungen bezeugen: „Dr. Hahn war ein Vorbild des Gehorsams und der Ehrfurcht gegen die Eltern. Obschon sein Vater ein schlichter Mann war, so unternahm Dr. Hahn doch nie etwas für seine Person Wichtiges ohne dessen Zustimmung, auch erbat er täglich seinen Segen.“ Ab 1807 besuchte Heinrich die Elementarschule in Aachen und wechselte zwei Jahre später zur Sekundärschule im aufgelösten Augustinerkloster, der Vorgängerin des heutigen Kaiser-Karl-Gymnasiums. Sein Abgangszeugnis urteilt, „dass er mit einem milden und gelehrigen Charakter viel Fleiß verband und ein Betragen ohne Tadel“.
|
|
 |
Gedenktafel am Haus in der Pontstraße |
|
Im Jahr 1811 empfing der Zehnjährige in seiner Pfarrkirche St. Foillan zum ersten Mal die Heilige Kommunion, ein Ereignis, das den Jungen nachhaltig beeindruckte. Aus der ersten Begegnung mit Jesus in der Hostie entwickelte Heinrich eine tiefe Verehrung für die Eucharistie, die sein ganzes Leben bestimmte.1812 kam der begabte Schüler auf das kaiserliche bonapartistische Lyzeum in Bonn, das militärische Erziehungsideale pflegte. In der Bonner Zeit starb seine Mutter, und Heinrich erzählte später, dass er in Tränen ausgebrochen sei, als ihn die Todesnachricht erreichte und ihm ein Erzieher wegen seiner "Unbeherrschtheit" einen Tritt versetzt habe. Als in der Neujahrsnacht 1814 General Blücher bei Kaub und Koblenz mit seiner Armee den Rhein überquerte, löste sich die napoleonische Erziehungsanstalt auf; die französischen Schüler kehrten nach Frankreich und Heinrich nach Aachen zurück. Die napoleonische Besatzung der Rheinlande war zu Ende, und die Rheinlande wurden preußisch. Seine Studien setzte der Vierzehnjährige am Königlichen Athenäum in Brüssel fort. In vier Jahren (1814-1818) erwarb er die Hochschulreife. Obwohl mathematisch hoch begabt entschloss sich Heinrich zu einem Medizinstudium in Gent. Am 23. Juli 1822 wurde er zum Doktor der Medizin promoviert. Auf die lateinische Promotion, die er seinem Vater widmete, folgte kurz darauf die Anerkennung als Doktor der Chirurgie und Geburtshilfe. Jahre später berichtet Hahn in seinem Lebenslauf: „Da ich mich als praktischer Arzt in meiner Vaterstadt niederzulassen wünschte, zögerte ich nicht, dem preußischen Gesetz zu entsprechen, indem ich ein Jahr als freiwilliger Regimentschirurg bei einem Grenadierregiment zu Berlin diente und dort von neuem mich den Examina für die Praxis in den drei großen Zweigen der ärztlichen Kunst unterzog. Meine Approbation für Preußen ist datiert vom 15. Mai 1824.“ Seine wissenschaftlichen Interessen gab der erfolgreiche und hoch angesehene Arzt auch während seines Berufslebens nicht auf. Im Jahr 1853 veröffentlichte er eine Arbeit über die tuberkulöse Hirnhautentzündung, die von der Medizinischen Gesellschaft in Bordeaux mit dem ersten Preis, einer Medaille in Gold, ausgezeichnet wurde. Außer Heilvorschlägen stellte seine Analyse ein soziales Programm von Gesellschafts- und Regierungsmaßnahmen vor. Sie gilt als Vorläuferin von Studien, die in die katholische Soziallehre eingeflossen sind. Im Jahr 1874 zeichnete die Katholische Universität Löwen Heinrich Hahn mit dem Ehrendoktor der Medizin aus. Die Urkunde begründet die Auszeichnung mit der Berufsauffassung des Geehrten, die von religiösem Geist getragen sei. zum Seitenanfang
|
|
 |
| Barbara Odilia Hahn geb. Käntzeler |
|
Mit 28 Jahren, im Februar 1829, heiratete Heinrich Hahn Maria Barbara Odilia Käntzeler, die aus einer angesehenen Aachener Familie stammte. Kurz vor seiner Heirat war der junge Arzt in das Mietshaus Neupfortenstraße 5/7 gezogen. Nach zwei Jahren verlegte er Wohnsitz und Praxis in die Adalbertstraße 18, wo er mit seiner Familie, die auch seinen Vater und eine pflegebedürftige Tante einschloss, bis zu seinem Tod lebte. Heinrich Hahn, der die Ehe als „herrliche Lebensaufgabe“ auffasste, hing an seiner Familie. Als seine Frau nach 37-jähriger Ehe im Dezember 1866 starb, hinterließ sie neun Töchter, die sie mit ihrem Mann in christlichem Geist erzogen hatte. Der einzige Sohn war wenige Wochen nach der Geburt gestorben. In seinem Testament lobt Hahn seine Ehefrau als „treue Gattin“, „die mir meine Kinder in der Gottesfurcht schlicht und einfach erzogen hat und von der ich mich seit dem Tage meiner Verheiratung nie getrennt gefühlt habe, weder im Leben noch im Tode“. Zwei seiner Töchter, Adele und Anna, wurden Ordensfrauen. Katharina und Helene heirateten, und Maria und Elise blieben im elterlichen Haushalt. Drei Töchter und der einzige Sohn starben vor ihrem Vater.
|
|
bereitgestellt von missio Wohnhaus Adalbertstraße  |
Dr. Hahns langjähriges Wohn- und Sterbehaus in Aachen, Adalbertstraße 18 |
|
Hahns Biographen Joseph Spillmann und Franz Baeumker berichten, dass sich Heinrich trotz seines hohen Arbeitspensums um die Erziehung seiner Kinder kümmerte. In Familienaufzeichnungen heißt es: „Seinen Kindern war er ein sorgsamer Vater, mit ihnen spielend, sie unterrichtend, soviel es ihm möglich war, namentlich in der Religionslehre, und ihnen durch sein Beispiel vorleuchtend zu allem Guten.“ Besonders am Herzen lag ihm, ihnen den christlichen Glauben zu vermitteln und eine große Liebe für die Kirche mitzugeben. Zusätzlich zur Schulbildung, die die Mädchen an der Aachener Töchterschule St. Leonhard in Aachen erhielten, ermöglichte der engagierte Vater seinen Töchtern einen etwa zweijährigen Internatsaufenthalt. In einem Brief empfiehlt er ihnen: „In der Pension sollt ihr Gewandtheit im Umgange mit fremden Menschen gewinnen. Ihr sollt daher lernen, Euch richtig und gewandt in fremden Sprachen wie in der Muttersprache auszudrücken. … Vor allem aber müsst ihr die Schüchternheit, welche den Menschen nicht ziert, und jeden freundlichen Umgang unmöglich macht, mit einem herzhaften Entschluss ablegen.“ Als seine Töchter Anna und Adele am 15. Oktober 1853 in den Orden vom Heiligsten Herzen Jesu zu Blumenthal bei Vaals eintraten, schreibt er an Anna: „Hast Du nicht Jesus Christus selbst als Stütze? In dieser Überzeugung, liebe Anna, trenne ich mich von Dir. Ich scheide von Dir, indem ich auf Dich den Segen Gottes herabrufe. Ich verspreche Dir, Dich nie in meinen Gebeten zu vergessen, und ich bitte Dich innig um die Unterstützung des Deinigen. Ich bitte um Deine Gebete für mich selber, für Deine gute und zärtliche Mutter, für Deine Schwestern, für die ganze Familie und für Deutschland, Dein Vaterland.“ zum Seitenanfang
|
|
zur Verfügung gestellt von missio  |
|
Heinrich Hahn war mit Leib und Seele Arzt. Die Aachener Adressbücher führen ihn als Geburtshelfer, Operateur, Wundarzt und Hausarzt des Josephinischen (Armen)Instituts. Sechzig Jahre praktizierte er in seiner Heimatstadt. Nach dem Frühgottesdienst im Dom oder in St. Adalbert begann er seine Krankenbesuche, oft ohne sich ein Frühstück zu gönnen. Rücksicht auf die eigene Gesundheit nahm er nicht, was ihm einmal ein schweres Nervenfieber eintrug. Seine Patienten, die aus allen Schichten der Bevölkerung stammten, kamen nicht nur aus Aachen. Auch Kranke aus der weiteren Umgebung, Eupen, Malmedy und Düren, suchten ihn auf. „Die Ruhe will ich mir fürs Jenseits vorbehalten“, erklärte Hahn gerne, wenn man ihn auf sein beeindruckendes Arbeitspensum ansprach. Besonders kümmerte er sich um die Armen, die zu den Verlierern der Industrialisierung zählten. Als im Jahr 1832 die Cholera in Aachen ausbrach, war er Tag und Nacht für die Erkrankten, meist mittellose Patienten, da und behandelte sie unentgeltlich. Ab 1838 war Heinrich Hahn auch ehrenamtlich als Arzt des Josephinischen Instituts tätig, eines Hospizes für alte und kranke Menschen, das einige Jahre später um eine Schule für arme Kinder, Waisen und Findelkinder erweitert wurde. Durch seine Vermittlung übernahmen die Borromäerinnen die Leitung des Instituts, und der Arzt wurde zum Vater des Hauses. Als erfolgreicher Badearzt behandelte Hahn auch berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit wie die spätere Kaiserin Augusta. Seinen Beruf verstand er als Berufung, als einen Dienst aus Nächstenliebe. Er nahm Anteil an dem Schicksal seiner Patienten und betete für sie. Heinrich Hahn war überzeugt, dass sein Wirken wie das aller Ärzte vom Segen Gottes abhängig ist. Sein Enkel, Pfarrer Heinrich Werhahn, überliefert einen Ausspruch des Großvaters, der seine Demut belegt: „Wenn ich gewusst hätte, wie wenig wir Ärzte durch eigene Kraft können, wäre ich niemals Arzt geworden.“ zum Seitenanfang StadtratAls Arzt, der sich besonders um die Armen kümmerte, kannte Heinrich Hahn die Not, unter der die Leidtragenden der Industrialisierung litten. Als Christ fühlte er die Verpflichtung, sich politisch zu engagieren, um der katholischen Position in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen und die Folgen der Verelendung (Pauperismus) zu lindern. 1846 wurde er in den Stadtrat von Aachen gewählt, dem er bis kurz vor seinem Tod angehörte. Gewählt worden war er von der dritten Steuerklasse, der untersten wahlberechtigten Schicht. Hahn gehörte den Ausschüssen für Schulwesen, Stadtbibliothek und Stadtarchiv an und kümmerte sich auch um das Bade- und Gesundheitswesen. Konstante seines gesamten politischen Engagements, das stets ehrenamtlich war, war der Kampf für die Mittellosen und Außenseiter der Gesellschaft. So setzte er sich beispielsweise für Freischulen ein, die Kinder von Fabrikarbeitern kostenlos besuchen konnten. Denn in Bildung und Glauben sah Hahn den Schlüssel zu einem gelungenen und würdigen Leben. Unrecht konnte der tiefgläubige Katholik nicht ertragen, und er war mutig genug, Ungerechtigkeiten öffentlich entgegenzutreten. Dabei blieb er laut seines Biographen Baeumker ruhig und sachlich, ein Vorbild eines christlichen Politikers. Landtagsabgeordneter
In der Legislaturperiode von 1859 bis 1861 war Heinrich Hahn Abgeordneter des Preußischen Landtags in Berlin. Er vertrat den Stadt- und Landkreis Aachen-Eupen. Als Mitglied der Fraktion des Zentrums, der er bei ihrer Konstituierung am 18.1.1859 beigetreten war, setzte er sich für die katholische Position ein. Für seine Glaubenshaltung wurde Hahn von liberalen Abgeordneten angefeindet. Denn sie verdächtigten ihn wegen seiner Papst- und Kirchentreue des Ultramontanismus. Blickt man auf Hahns Redebeiträge, so hat er sich zu medizinischen Themen, sozialen Fragen, zur Schulpolitik und Kommunalverwaltung geäußert. Dabei fällt die Auseinandersetzung um den Bau der Aachener Marienkirche auf, für den Hahn kämpfte. Seine umfangreichste Rede hielt er über die Gewerbefreiheit. Hier wandte er sich gegen einen Antrag, der die uneingeschränkte Gewerbefreiheit einführen wollte: zu Gunsten der Großindustriellen, aber zu Lasten der Handwerker, und die gehörten wie die Arbeiter zu seiner Klientel. Besonders die Schulpolitik lag dem Aachener Politiker am Herzen. In einem Brief an seine Familie schreibt er (vom 18.4.1861): „Meine Hand zittert etwas, weil dem katholischen Rechte soeben wieder in einer Schulangelegenheit ein Loch in den Kopf geschlagen worden ist. Ich hatte mich zum Worte gemeldet, bin aber nicht dazu gekommen“ (Baeumker, S. 279). Hahn lehnte es ab, ein weiteres Mandat für den Landtag zu übernehmen. Denn seine Familie, sein Beruf und seine kommunalpolitische Arbeit waren ihm wichtiger, und auch sein Lebenswerk, der Franziskus-Xaverius-Missionsverein forderte von ihm, seine Kräfte zu bündeln. zum Seitenanfang Heinrich Hahn engagierte sich ehrenamtlich in zahlreichen kirchlichen Vereinen und Bruderschaften. Er beließ es nicht dabei, Missstände und Not aufzudecken, sondern er half direkt und praktisch. Heinrich Hahn war ein Mann der Tat. So war er 28 Jahre lang im Vorstand des Borromäus-Vereins, dessen Anliegen die Verbreitung guter Literatur war. In seiner politischen Laufbahn kämpfte er immer wieder gegen das Bildungsdefizit und versuchte, die „breite Masse“ für die Welt der Bücher zu begeistern und – wie er sagte, „aus dem Schlummer zu wecken“.
|
|
 |
| Glückwunschadresse der zehn Frauenklöster der Stadt Aachen zu seinem Goldenen Doktorjubiläum |
|
Dem hoch angesehenen Aachener Bürger gelang es trotz der schwierigen Zeit des Kulturkampfes, mehrere Ordensgemeinschaften in Aachen anzusiedeln. So holte er die Schwestern zum Guten Hirten nach Aachen, die sich um „sittlich gefährdete Frauen“ kümmerten. Seiner diplomatischen Geschicklichkeit verdankten die Bewohnerinnen des Klosters des Guten Hirten, dass sie während des Kulturkampfes Aachen nicht verlassen mussten. Denn alle Orden, die nicht in der Krankenpflege arbeiteten, wurden auf Anordnung des preußischen Staates ausgewiesen. In einem Glückwunschschreiben zu seinem goldenen Doktorjubiläum dankten die zehn Aachener Frauenklöster ihrem Mentor: „Sie alle haben unter den Laien keinen tätigeren Gönner ihrer kirchlichen Anstalten, keinen kräftigeren Förderer ihrer gemeinnützigen Zwecke, selbst keinen treueren Pfleger der Gesundheit ihrer Mitglieder gefunden“. Unter den Unterzeichnern des Glückwunsches waren zwei Aachener Ordensgründerinnen: Franziska Schervier und Clara Fey. Hahn betreute die Familien Fey und Schervier als Hausarzt und hatte den neuen Orden den Weg geebnet und sie gefördert. Von Ahrweiler holte er die Ursulinen an das Aachener St. Leonhard-Institut.43 Jahre lang betreute er als Arzt und Berater das Josephinische Institut. Ursprünglich war es für mittellose und kranke Leute bestimmt, wurde aber unter Hahn mit einer Anstalt für arme Kinder und Waisen verbunden. Wie wichtig ihm die Betreuung der gesellschaftlich Schwachen war, zeigt seine Entscheidung, den Titel „Arzt des Josephinischen Instituts“ in seine offizielle Berufsbezeichnung aufzunehmen. Von seinen vielen Gründungen sei als letzter noch der Aachener Bürger- und Wahlverein Constantia genannt. Von Anfang an gehörte Hahn zu den Verantwortlichen und war einige Zeit auch Präsident des Vereins. Vordergründig war die Constantia ein Forum für gesellschaftlichen Austausch der katholisch-konservativen Kreise, doch sie entwickelte sich immer mehr zu einem katholischen Aktionskomitee, das die Interessen der katholischen Bewegung bündelte und in ihrem Sinn städtische und staatliche Wahlen beeinflusste. Zeugnis über Heinrich HahnGlückwunschadresse der zehn Frauenklöster der Stadt Aachen anlässlich von Hahns Goldenem Doktorjubiläum „Seit einem halben Jahrhundert sieht die Stadt Aachen in ihren Mauern einen ihrer Söhne wandeln, von dem in Wahrheit gesagt werden kann, was von unserem höchsten Vorbild und Mittler geschrieben steht: „Er ging umher in Wohltun und Heilen, denn Gott war mit ihm.“ War er auch stets mit Gott ein katholischer von alter, echter Art, ein Mann des Glaubens.“ Vereine- Mitglied und langjähriger Präses der Sakramentsburderschaft an St. Foillan
- Mitglied der Marianischen Sodalität ab 1839
- Mitglied in der Herz-Jesu-Bruderschaft
- Gründungs- und Vorstandsmitglied des Michaelvereins zur Einsammlung des Peterspfennig im Erzbistum Köln
- Gründer und Sekretär des Franz-Xaverius-Missionsvereins
- Gründungs- und Vorstandsmitglied des Borromäus-Vereins
- Gründungs- und Vorstandsmitglied und langjähriger Präsident des katholischen Bürger- und Wahlvereins Constantia
- Gründungspräsident des Pius-Vereins in Aachen
- Gründungspräsident des Vinzenz-Vereins an St. Adalbert
- Gründer und Vorstandsmitglied des Hilfskomittees der Johanniter- und Malteser-Genossenschaft in Aachen
- Mitglied des Gründungsausschusses des Marienkirch-Bauvereins
- Langjähriges Mitglied des Kirchenvorstands von St. Adalbert
- Langjähriger Präsident des Schulvorstands von St. Adalbert
- Gründungsmitglied des Carls-Vereins zur Renovierung der Aachener Münsterkirche
- Mitglied der Aachener Casino-Gesellschaft
- Mitglied des Verwaltungsrates des Gymnasiums
- Mitglied des Curatoriums der Realschule
- Mitglied des Curatoriums der Töchterschule St. Leonhard
- Mitglied des Comitees für die Elementarschulen
- Präses des Verwaltungsrates des Klosters Unserer Lieben Frau von der Liebe des Guten Hirten in Aachen
zum Seitenanfang Heinrich Hahn hat gerne geschrieben. Zu formulieren muss ihm leicht gefallen sein. Seine Schrift war sorgfältig und schnörkellos. Für moderne Ohren mag seine Sprache altertümlich klingen, doch entspricht sie dem Schreibstil des 19. Jahrhunderts. Heinrich Hahn war ein großer Briefschreiber: an seine Familie und Freunde, an geistliche Würdenträger und Amtspersonen. Weit über 1000 Briefe schrieb er in fehlerfreiem und elegantem Französisch an die Missionszentrale in Lyon. 300 Schriftstücke dieser Korrespondenz sind noch erhalten. In seiner Zeit als Berliner Abgeordneter widmete er sich besonders der Missionsschriftstellerei. Gelegentlich verfasste er auch Gedichte, wobei er nicht an Veröffentlichung dachte, sondern eher die Familie an seinen Gedanken teilhaben lassen wollte. Immer wieder kreiste er um die Mission und Nachrichten aus den Missionsländern. Ein Gedicht über eine Märtyrerin, das er seinen Töchter Therese und Helene widmete, unterschrieb er: Papa, der Missionsfreund. Zu den handschriftlichen Hinterlassenschaften Hahns zählen sein „Bericht über die Entstehung, Ausbreitung und Wirksamkeit des Xaveriusvereins“ in verschiedenen Fassungen, seine Vorreden zu den Kölner Jahrbüchern, eine Denkschrift an die österreichischen Bischöfe über die Wichtigkeit des Lyoner Missionsvereins sowie zahlreiche Zeitungsartikel. Seine größte schriftstellerische Leistung war die fünfbändige „Geschichte der katholischen Missionen seit Jesus Christus bis auf die neueste Zeit". Für die Mitglieder der katholischen Missionsvereine und alle Freunde der Missionen bearbeitet. Köln, Du Mont-Schauberg i. Komm 1857-1863. Die beeindruckende Darstellung widmete er Erzbischof Johannes von Geissel. Zwölf Jahre arbeitete der Autor an dem monumentalen, am Ende 2645 Seiten umfassenden Werk, dessen letzter Teil 1865 gedruckt wurde. Den Erlös aus dem Verkauf übergab er einer Stiftung am katholischen Krankenhaus in Berlin. Obwohl er für seinen ehrgeizigen Plan seine Tätigkeit als Arzt einschränkte, schrieb er oft bis tief in die Nacht. Über seine Motive bekennt er in einem Brief nach Lyon: „Mein Ziel bei Veröffentlichung dieser Geschichte ist: den religiösen Geist der deutschen Katholiken zu heben und ihnen ein großes Interesse für die weltumfassende Bedeutung der Glaubensverbreitung einzuflößen“ (Baeumker, 639). Und in einem weiteren Schreiben heißt es: „… Ich hoffe hierdurch dem Werk der Glaubensverbreitung in Deutschland neue Freunde erwerben zu können. …“ (Baeumker, 639f.). Hahns Werk war die erste umfassende Missionsgeschichte. Darin lag seine Bedeutung. Allerdings arbeitete er nicht durchgängig nach wissenschaftlichen Maßstäben, was seine Leistung jedoch keineswegs schmälert. Verletzende Gehässigkeit war dem Autor nicht nur im Leben, sondern auch beim Schreiben fremd. Seine Wahrheitsliebe ließ ihn sogar Fehler der katholischen Propaganda benennen. Texte von Heinrich Hahn:Der Arzt als Heiler und Seelsorger (s. auch Novene) „Weniger mit bürgerlichen Ehren umgeben, aber nicht weniger wohltätig, wenn er im christlichen Sinne ausgeübt wird, ist der Stand des Arztes. Der christliche Arzt tritt an das Krankenbett von dem Gedanken durchdrungen, dass sein Beruf ein Beruf der christlichen Liebe ist. Nicht das Geldinteresse, nicht das Interesse seiner Ehre bilden das Motiv seines Tuns und Lassens, nicht die böse Absicht, seinen Kollegen zu schaden, lauert hinter seiner Rede, sondern lediglich das Wohl des Kranken leitet seine Handlungen und legt ihm Worte des Trostes, der Aufmunterung und der herzlichsten Teilnahme auf die Zunge. Er kennt keinen Unterschied zwischen Armen und Reichen, zwischen Gebildeten und Ungebildeten, zwischen Guten und Bösen. … Zwar ist er durch seinen Beruf zunächst zur Erteilung des ärztlichen Rates hingewiesen. Soviel aber seine Stellung und die Umstände es irgend erlauben, bestrebt er sich auch mit Schonung und Liebem dem Kranken Geduld, Ergebung in den Willen Gottes und wahrhaft christliche Gesinnung einzuflößen. In dieser Weise reiht sich sein Wirken an die Wirksamkeit des Seelsorgers, dessen Bemühungen er unterstützt. Jedenfalls sorgt er namentlich bei katholischen Kranken mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit, dass der Tod sie nicht überrascht, bevor sie mit den heiligen Sakramenten der Sterbenden versehen worden seien.“ (Aus: Heinrich Hahn, Die christliche Liebe.) Aus seiner Schrift „Die Meningitis tuberculosa, vom klinischen Gesichtspunkt betrachtet“: „Dort verfaulen gleichsam zahlreiche Familien in engen, oft feuchten oder dunklen, stinkenden Gelassen. Jede Familie hat nur ein Zimmer, das gleichzeitig Küche, Wohnstube und gemeinsames Schlafzimmer ist. Die Eltern schlafen gewöhnlich auf einem elenden Lager, und die Kinder liegen hier und dort auf dem Boden ausgestreckt oder höchstens auf einem Bund Stroh. Wir waren mehr als einmal Zeuge einer solch traurigen Lage. Ja, wir haben bis drei Familien zusammengedrängt gesehen, in einer einzigen Kammer, in der Kreidestriche am Boden die Grenzen der Wohnungen bezeichneten.“ Die Luft sei „von Ausdünstungen, von Urin und Exkrementen verpestet. Deshalb sieht man die zahlreichen Kinder dieser armen Familien, die solche Klüfte bewohnen, früh mit skrofulösen und tuberkulösen Leiden behaftet. Nur wenige von ihnen erreichen das Erwachsenenalter … Es wäre zu wünschen, dass die Regierungen energische Maßregeln treffen, um der Arbeiterklasse gesunde Wohnungen zu verschaffen. Das würde Tausenden Kindern, die jetzt langsam vergiftet kläglichst zugrundegehen, Gesundheit und Leben sichern.“ Die Kraft des Gebetes In einem Glückwunschschreiben an seine Großmutter Anna Odilia Hahn vom 10. Juli 1821 bekennt der Student über sein Gebetsleben: „Dazu bringe ich Ihnen auch noch zum Angebinde mein tägliches Gebet, das schönste Gut, welches uns der Allerhöchste gegeben hat. Es ist wahrlich die Speise der Seele. Im Gebete allein können wir versuchen, unsere menschlichen Gedanken zum allerhöchsten Schöpfer zu erheben. Im Gebete staunen wir beim Anblick seiner außerordentlichen Schöpfung, aber im Gebete fühlen wir auch eine unaussprechliche Wonne, wenn wir an die Unsrigen denken, wenn wir das Wohl derer, die wir lieben, bei unserem lieben Gott ausbitten. Ich finde besonders eine außerordentliche Freude, wenn ich für Sie, liebe Großmutter bete, wenn ich zu unserem allgemeinen Vater sage: erhalte noch lange die liebe Großmutter, damit wir noch lange mögen glücklich sein, denn sie ist der Kern, um den sich alle Herzen der Familie sammeln.“ Motto seiner Parlamentsarbeit: "Freiheit der Kirche, Freiheit des Unterrichts, Freiheit der Assoziation!" Aus Heinrich Hahns Testament „Sollten meine Kinder, wozu ich selbstverständlich auch meine Schwiegersöhne rechne, es angemessen erachten, für mich und meine selige Frau ein Anniversarium (Jahrgedächtnis) zu stiften, so wäre mir das allerdings erwünscht. Ich wünsche jedoch auch, dass bei meinem Tode alles schlicht und einfach gehalten werde, wie ich es beim Tode meines Vaters und meiner seligen Frau selbst gehalten habe.“ Schriften von Heinrich HahnDoktorarbeit: Über die Beziehungen, durch die unsere Organe unter sich und mit dem umgebenden Körper verbunden werden, Gent 1822. Über den Gebrauch der Thermalquellen von Aachen und Burtscheid bei der Behandlung der chronischen Krankheiten. Über die Meningitis Tuberkulosa vom klinischen Gesichtspunkt, 1853/57. Geschichte der Katholischen Mission, Bde 5, 1853-1863. Denkschrift an die Kaiserin Augusta, 31.12.1861. Die christliche Liebe in der katholischen Kirche gegenüber den sittlichen Gebrechen der Menschen, aus dem religiösen, sozialen und politischen Gesichtspunkte dargestellt, unveröffentlichtes Manuskript 1850-53, Missio Aachen.
zum Seitenananfang - Kongregation Unserer Lieben Frau von der Liebe des Guten Hirten
- Borromäerinnen (im Josephinischen Institut und im Waisenhaus)
- Ursulinen (in der Töchterschule St. Leonhard)
- Frauen vom Heiligsten Herzen Jesu (Sacré Coeur in Vaals)
- Jesuiten
zum Seitenanfang - Goldmedaille der Medizinischen Gesellschaft von Bordeaux
- Ernennung zum Korrespondierenden Mitglied des Vereins für Medizin und Naturwissenschaft in Brüssel.
- Ernennung zum Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Medizin für Belgien
- Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät von Löwen.
- Ernennung zum Wirklichen Mitglied des Vereins für Heilkunde in Preußen
- Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 1847 Sektionsführer der neu gegründeten Anthropologisch-psychiatrischen Sektion
- Kommandeur des päpstlichen Gregoriusordens
- Preußischer Kronenorden 4. Klasse
zum Seitenanfang
|
Monika Herkens  |
| Grabstätte auf dem Ostfriedhof |
|
„Auf Dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt: ich werde nicht zuschanden werden in Ewigkeit.“ Mit diesem Gebet legte Heinrich Hahn in den letzten Lebensmonaten seinen Tag in Gottes Hand. Anfang des Jahres 1880 war er an einem Leberleiden erkrankt. Doch so lange es ihm möglich war, besuchte er weiter die Sitzungen des Stadtrates und kümmerte sich um seine Patienten. Besonders die Senioren des Josephinischen Instituts wollte er nicht im Stich lassen. „Diese werde ich bis zuletzt besuchen, das sind meine Kollegen“, begründete er seinen Durchhaltewillen.
|

|
 |
|
Seinen Schmerzen begegnete der geduldige Kranke mit den Worten: „Es ist gut, weil der liebe Gott es will.“ Da er in den letzten Monaten seines Lebens nicht mehr in die Kirche gehen konnte, empfing er zu Hause die heilige Kommunion. Im letzten Brief an seine Töchter im Kloster schrieb er: „Herr, dein Wille an mir geschehe.“ Am 11.3.1882 starb Heinrich Hahn nachts gegen drei Uhr im Kreis seiner Familie. Sein Begräbnis wurde zu einer Demonstration des katholischen Aachen: „Der Leichenzug war fast unabsehbar; die ganze Stadt wetteiferte, um dem hochgeschätzten Toten die letzte Ehre zu erweisen. Die Barmherzigen Schwestern mit ihren Armen, die Schwestern vom heiligen Franziskus, die höheren Schulen, die Pfarrschulen, verschiedene Bruderschaften, fast alle katholischen Vereine mit ihren Fahnen und Abzeichen, die Spitzen der Behörde sowie eine große Anzahl von Freunden, Geistlichen und Laien, begleiteten den Sarg zu seiner irdischen Ruhestätte. Endlich wurden in vielen Kirchen und Klosterkapellen feierliche Exequien gehalten“ (Die katholischen Missionen 9/1882). Heinrich Hahn starb im Ruf der Heiligkeit. zum Seitenanfang Franz Baeumker, Dr. med. Heinrich Hahn. Ein Apostel im Laienkleide 1800-1882, Aachen 1930. ders., Dr. med. Heinrich Hahn, in: ders., Heilige und heiligmäßige Christen aus dem Bereich des Bistums Aachen, Aachen 1950, 44-47. Paul Jansen, Heinrich Hahn (1800-1882), Arzt und Gründer eines Missionswerkes, heute: Missio, in: Schein, Karl (Hg.), Christen zwischen Niederrhein und Eifel, Lebensbilder aus zwei Jahrhunderten, Mönchengladbach 1993, Bd.1, 129-146. Gisbert Kranz, Heinrich Hahn (1800-1882), in: Sie lebten das Christentum, Regensburg, vierte Auflage, 1980, 95-104. Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Dr. Heinrich Hahn: 1800- 1882. Neun-Tage-Andacht und sein Leben, hrsg. v. Missio, Aachen 2000. Bernd Kaut in: LThK³, Bd 4, Sp. 1148, s.v. Hahn. Reinhard Pick, Heinrich Hahn, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 8 (1886), 324-326. K. Simons, Heinrich Hahn, Aachen 1983; ders., missio – Die Geschichte einer Bewegung, Aachen 1983. Joseph Spillman S.J., Dr. Heinrich Hahn. Lebensbild eines seeleneifrigen Arztes, Freiburg 1882, 5-51.
|
Fotos Grabstätte: Monika Herkens  |
|
|
|
|