Führung durch die Kirche St. Martinus
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| St.
Martinus Richterich |
Liebe Besucher unserer Kirche!
Im Jahr 1791 wurde die Kirche, in der Sie sich befinden, eingeweiht.
Die festliche, barocke Halle verweist auf den Hochzeitssaal, von dem Jesus
in Gleichnissen spricht, wenn er das Reich Gottes, den Himmel, beschreibt.
Kirchen sind gebaut worden als Ort der Begegnung zwischen Gott und den
Menschen: die Nähe Gottes in seinem "Haus" unter den Menschen
wird greifbar und die Gemeinde antwortet dankbar für die Gegenwart
Gottes, indem sie sein Lob singt. Darum kommt die Gemeinde zusammen.
Zugleich wird sie sich der ständigen lebensspendenden Nähe Gottes in der
Feier der Sakramente bewusst.
Darum
haben wir die Kirche für die bessere gottesdienstliche Feier nach den
Anforderungen des letzten Konzils (1962-1965) umgestaltet und am 8.11.1997
wieder eröffnet
Diese Umgestaltung zollt dem historischen
Kirchenraum und den alten Gegenständen und Kunstwerken Respekt.
Der Bonner Liturgiewissenschaftler Prof. Albert Gerhards hat das
Konzept von einem "Ellipsenmodell" speziell für alte Kirchen
entwickelt mit Altar und Ambo als den beiden Brennpunkten des liturgischen
Geschehens. In der Kirche St. Martinus wurde dieses Modell, erstmals im
Bistum Aachen, verwirklicht.
Der Altar wurde an der Längswand des Langhauses aufgestellt, der Ambo
gegenüber angeordnet. Vorteil bei der Umgestaltung des Gotteshauses: Die
Ausrichtung eines großen Teiles der Kirchenbänke zum Hochaltar und damit
das bisherige Raumkonzept der "Wegekirche" mit einem Mittelgang ist
somit erhalten geblieben.
Der Rokoko-Hochaltar mit dem Tabernakel ist weiterhin an seinem Platz im
Chorraum.
An der Nordseite steht die Blausteinkanzel von 1956 als Ambo, als "Tisch
des Wortes", an der gegenüberliegenden Seite steht der neue, ganz
schlichte Altar, als "Tisch des Mahles".
In der Mitte zwischen den alten
Eingangsportalen steht das neuromanische Taufbecken (Ende 19. Jhdt.),
in dem wir durch das Taufsakrament Menschen neu in unsere
Lebensgemeinschaft mit Gott aufnehmen. Zugleich dient das Taufbecken uns
als Weihwasserbecken: wir schöpfen Weihwasser und erinnern uns an die
eigene Taufe.
Die ursprünglich zwei großen Bankblöcke sind heute in der
Mitte jeweils durchbrochen und dadurch in vier Blöcke aufgeteilt.
Die Bänke sind einander zugewandt, denn zwischen den Bänken sind
neue Orte entstanden, die für die Feier des Gottesdienstes zentrale
Bedeutung haben. |
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Auf der nördlichen Seite sehen Sie den Ambo
aus Blaustein (1956/57 von E. Hillebrand geschaffen), von dem das
Wort der Heiligen Schrift verlesen und ausgelegt wird. In seinem
Wort will Gott uns zum Leben ermutigen, das Leben korrigieren, es
trösten, es aus dem Tod erwecken. In der bildlichen Darstellung vom
Sterben des Weizenkorns, das im Vergehen neuer Frucht das Leben
schenkt (Joh 12,24), hat der Künstler dies ausgedrückt. |
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| Altar |
Auf der südlichen Seite ist zur Feier des Mahles Jesu ein schlichter Altartisch
mit einer Blausteinplatte errichtet.
Wenn der Priester von seinem Platz nach der "Feier des
Wortes" an den Altar wechselt, wird deutlich, wie der erste große
Teil des Gottesdienstes - der Wortgottesdienst - zu Ende ist und nun der
zweite Teil - die Eucharistie - beginnt. Der Weg zwischen beiden Polen
macht deutlich: der "Tisch des Wortes" und der "Tisch des
Mahles" sind miteinander verbunden. Symbolisch verstanden meint
dieser Weg: wir befinden uns auf dem Weg des Lebens und des Glaubens.
Aufgerufen durch Gottes Lebenswort werden wir uns durch sein Brot des
Lebens (Joh 6,35) stärken lassen, Zeugnis abzulegen von der Hoffnung, die
wir in uns tragen. Am Altar werden die Gaben der Gemeinde bereitet. Dort
wird das große Lob- und Dankgebet gesprochen. Von dort empfangen wir die
Eucharistie. Währenddessen ist die Gemeinde um den Tisch des Mahles
versammelt - darum sind die Bänke einander zugewandt -, wie sie es um den
Ambo ist.
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| Hochaltar
St. Martinus |
Die übriggebliebenen Brotstücke der Eucharistie werden zum Tabernakel
im Hochaltar gebracht und dort aufbewahrt - die Ewig-Licht-Lampe
(Ende 18. Jhdt.) zeugt davon -, damit Kranke und Menschen in
Lebensgefahr die Eucharistie empfangen können. Der Hochaltar (1845 von
F.W. Klausener geschaffen und 1891 ergänzt) zeigt eine Darstellung
unseres Pfarrpatrons, des hl. Bischofs Martin von Tours, und der hl.
Katharina von Alexandrien. Hinter dem Hochaltar ist der Raum für
Beichtgespräche eingerichtet. Dort befindet sich ein Kruzifix-Corpus
(Anfang 16. Jhdt.) und eine Abendmahlsdarstellung (Antwerpen, Ende
16. Jhdt.).
An vier Stellen in unserer Kirche also, in Kreuzform, geschieht, was
für den Vollzug unseres Glaubens wesentlich ist:
- die Taufe gliedert uns in das Leben
Gottes ein,
- das verkündete Wort Gottes bleibt
uns Richtschnur,
- das Brot des Lebens, das uns vom
Altar gereicht wird, stärkt uns,
- die Barmherzigkeit Gottes in der Vergebung
richtet das Leben auf und macht es frei.
Die weitere Ausstattung der Kirche bezeugt, dass wir uns heute in der
großen Kette von Glaubenszeugen wissen.
Vier kostbare Mariendarstellungen zeigen uns auf verschiedene
Weise, wie sich die Mutter Jesu dem Plan Gottes geöffnet hat: Im Turm,
der etwa 500 Jahre alt ist, zeigt das Altarbild (Norditalien um
1500) den Besuch des Engels Gabriel bei Maria -umrahmt von den heiligen
Antonius, Laurentius, Sebastian, Stephanus und den 12 Aposteln; die
Skulptur der Anna Selbdritt (Süddtld., Ende 17. Jhdt.)
stellt Maria mit ihrer Mutter Anna und ihrem Sohn Jesus dar; die Pieta
(Westfalen, 1550-1600) zeigt die Schmerzensmutter, die den toten Sohn auf
dem Schoß trägt. In der Kirche, neben dem Ambo, ist die Figur der Mutter
mit dem Jesuskind (Süddtld., Mitte 18. Jhdt.) zur Verehrung
aufgestellt.
Außerdem sehen Sie im Kirchenraum das Relief (2. Hälfte, 16. Jhdt.),
das den hl. Martin als Soldat beim Teilen seines Mantels mit dem
Bettler zeigt. Er weist uns darauf hin, dass sich unser Glaube im Tun
erweisen muss. Jesus selbst hatte das Gebot, Gott und den Nächsten zu
lieben als Zentrum des christlichen Lebens erklärt (Mk12,28-34).
Auf der südlichen Seite sehen Sie den hl. Sebastian (Süddtld. um
1500), der angebunden und von Pfeilen durchbohrt für den Glauben an Jesus
Christus sein Leben einsetzt.
Unter der Orgelempore zeigt das Bild David Teniers d. Ä. (1618), eines
Zeitgenossen von P. P. Rubens, die Segnung der Kinder durch Jesus (Mk
10,13-16).
Neben dem Aufgang zur Orgel stellt das Passionsbild von Willem Key
(um 1560) den kreuztragenden Christus dar, dem Veronika das Schweißtuch
reicht.
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| Orgel
St. Martinus |
Ein Blick zurück zeigt die historische Maaß-Orgel
von 1836. Sie ist die älteste Orgel in Aachen und das erste
Instrument dieses Gotteshauses. Über den Orgelbau befinden sich, teils im
Diözesanarchiv, teils im Pfarrarchiv, als Urkunden der Contract zwischen
der Pfarrgemeinde und dem Orgelbauer Gerhart Maaß aus Köln vom
15.02.1833 mit der Baugenehmigung des Erzbischofs von Köln, Ferdinand
August, vom 16.02.1833 und der königlichen Regierung in Aachen vom
23.02.1833. Im Sommer 2003 wurde die Orgel von der Firma Josef
Weimbs-Orgelbau aus Hellenthal gereinigt und neu gestimmt.
Hier Detailbilder der Orgel.
Die Ausstattung des Kircheninnern, die Musik, die gesamte Atmosphäre
sollen den Menschen auf seinem Lebens- und Glaubensweg begleiten. In allen
Höhen und Tiefen finden Sie Anknüpfungspunkte, sich mit der Gemeinde
Gottes Nähe zusagen zu lassen und ihm für seine Gegenwart zu danken.
Wenn Sie die Kirche durch die wiedereröffnete Tür am Hochaltar
verlassen, betreten Sie die 1997 neu errichtete Kapelle, die
werktags geöffnet ist und immer zum Verweilen, zum Beten, zum Anzünden
einer Kerze einlädt.
Im Turm rufen drei Glocken
zum Gottesdienst.
Im Turm der Kirche befindet sich auch ein Fensterbild von
Gilles Alfera mit dem Titel "Das Gebirge". Das Gebirge bildet das
Zentrum der Welt. Rundherum vollzieht sich das Kommen und Gehen der Tage.
Auf seinem Gipfel: Der Baum des Gartens mit den reifen Äpfeln. Das Gebirge
- die Achse des Bundes zwischen Himmel und Erde trägt die Farben des
Regenbogens. Zu seinen Füßen: Der Eingang, der in das Leben führt, zu dem
wir eingeladen sind, wenn wir die Pilgerschaft durch das Labyrinth zu Ende
gebracht haben.
Sie haben in kurzer Form Wesentliches über die Martinuskirche
erfahren. Am besten erleben Sie den Kirchenraum, wenn Sie mit der Gemeinde
hier Gottesdienst feiern. Informationen dazu hält unser Pfarrbrief
REGENBOGEN bereit, der in der Kirche zum Mitnehmen ausliegt.
Viele Detailinformationen zu den Kunstwerken in St. Martinus sind
wissenschaftlich aufbereitet in einem Buch: "KUNST IM
VERBORGENEN" nachzulesen. Dieses Buch ist leider vergriffen.
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